Vorwort des Präsidenten

Prof. Dr. Pietro Beritelli Präsident Heidiland Tourismus AG
Tiefe statt Tempo – vom Wert des Reisens
In Zeiten der KI (künstlichen Intelligenz) scheint der Begriff der Authentizität, gerade im Tourismus, überstrapaziert. Die Suche nach dem Authentischen, dem Wahren, ist in der heutigen Bilder- und Videoflut über Reiseziele und den damit versprochenen Erlebnissen fast unmöglich geworden. Wir müssen auf die altbewährte Mund-zu-Mund-Propaganda von Freunden und Bekannten zurückgreifen, die uns über ihre eigenen Erlebnisse berichten. Da viele Rezensionen auf digitalen Plattformen auch maschinell erstellt wurden, paradoxerweise manchmal auch durch Menschen, die etwas selbst erlebt haben, aber es mit eigenen Worten nicht mehr beschreiben können oder wollen, trauen wir diesen Quellen ebenfalls immer weniger. Kurz gesagt, in einer Welt der künstlich beeinflussten Imagination rückt der Zugang zu echten, authentischen Informationen und damit verbundenen Erlebnissen in weite Ferne.
Ich finde, wir haben es hier mit zwei unterschiedlichen Phänomenen zu tun. Das erste ist tatsächlich die abnehmende Glaubwürdigkeit von Informationen im Netz. Bilder und Berichte widerspiegeln nicht mehr eine Realität, die auffindbar ist. Erst der Besuch in einer Region, an einem Ort, offenbart die reale Bühne des Erlebbaren. Glaubwürdige, korrekte, ungefilterte und vor allem ungeschönte Information zu vermitteln, ist eine Uraufgabe von Tourismusorganisationen. Der Grat zwischen guter Darstellung und nackter Realität ist fallweise schmal. Hier versuchen wir als Heidiland Tourismus mit all unserem Wissen und den Methoden, das Beste für Besucher, Einheimische und für Partnerunternehmen zu leisten.
Frühlingswiese im Seeztal mit Churfirsten im Hintergrund
Frühlingswiese im Seeztal mit Churfirsten im Hintergrund
Frühlingswiese im Seeztal mit Churfirsten im Hintergrund
Das zweite Phänomen hat aus meiner Sicht damit zu tun, dass der Begriff Authentizität im Zusammenhang mit Reisen immer wieder unterschiedlich verwendet wird. Die für mich wichtigste Betrachtungsweise ist dabei die existenzielle Authentizität. Sie ist verbunden mit der Erkenntnis, dass Reisende ihre Destination ‘machen’. Durch ihre eigene Präsenz und ihr (gemeinsames) Entscheiden und Tun ermöglichen sie selbst Ereignisse, die einmalig und individuell erlebt werden. Die Erlebnisse bleiben auch in der eigenen Erinnerung. Wenn wir reisen oder für einen Tagesausflug unterwegs sind, versuchen wir, diese festzuhalten (z. B. mit Fotos), wissen aber, dass sie nicht wiederkehren werden, auch wenn wir später genau dasselbe, am selben Ort, mit denselben Menschen tun würden. Die erfassten Bilder und Eindrücke werden geteilt und weitergegeben. Andere Menschen werden dies schätzen. Sie werden aber auch wissen, dass sie nicht genau dasselbe erleben werden.
Blick über die herbstlichen Wiesen am St. Margrethenberg
Blick über die herbstlichen Wiesen am St. Margrethenberg
Reisen ist eingebettet im Fluss des Lebens. Die Orte und Erlebnisse, die wir aufsuchen, sind die Bühnen, die wir belebt haben. Reisen ist existenziell. Es erinnert daran, dass menschliches Leben kein Verbleiben, sondern ein Werden ist. Ein ständiges Unterwegssein, das nie ganz ankommt, aber gerade darin seinen Sinn findet. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Region wie das Heidiland eine besondere Bedeutung. Weil in der heutigen beschleunigten Gesellschaft, bei der laute, intensive Eindrücke auch mit künstlichen Kulissen gemalt werden, die Nähe, Verlässlichkeit und Sinnhaftigkeit an Gewicht gewinnen, antwortet das Heidiland auf zeitgenössische Reisebedürfnisse mit einer wohltuenden Klarheit. Die Landschaft ist nicht spektakulär im lauten Sinn, sondern dauerhaft eindrücklich. Die Berge, Seen, Täler und Dörfer in der Region sind seit Generationen Lebens- und Bewegungsräume. Hier ist die Reise oder der Tagesausflug kein oberflächlicher Eindruck, der schnell schwindet, sondern eine Zeit, für die bewusste Hinwendung zu Natur, zur Ruhe und zu den eigenen Gefühle.
Regionen wie das Heidiland zeigen, dass die Zukunft des Reisens nicht allein aus Reichweite und Geschwindigkeit besteht, sondern aus Tiefe und Bedeutung. Deshalb dürfen wir trotz Krisen weiterhin positiv in die Zukunft blicken. Der Mensch wird immer reisen und er wird Orte suchen, die ihm dabei nicht nur Raum geben, sondern Halt. Diesen Halt wünsche ich allen touristischen Partnern, den Behörden und der ganzen Bevölkerung in unserer Region.
Im Namen des Verwaltungsrats und und des ganzen Heidiland-Teams danke ich allen unseren Partnern und der Bevölkerung in der Region für das uns entgegengebrachte Vertrauen.